Britt geb. Sandmann, später Roscher / Oliver Roscher / Silvie Roscher

9. August 2008 | Von | Kategorie: DDR-Adoption-Halle
Datum 07.08.2008
Chiffre: 200808-0020-ZK
E-Mail Chiffre

gesucht werden 2 Töchter und 1 Sohn:

1. Britt geb. Sandmann, später Roscher (Namensänderung durch meine Heirat) geb. am 31.03.1972 in Zeitz

2. Oliver Roscher geb. am 07.02.1974 in Zeitz

3. Silvie Roscher geb. am 10.07.1975 in Zeitz

durch leibliche Mutti: Karin Stolle, geb. Sandmann, 1.verh. Roscher geb. am 29.03.1954 in Zeitz

Kommentar:

Alles begann mit meinen Wohnverhältnissen. Seit Januar 1972 ich lebte in einem Zimmer von 15 qm und einer Küche von 8 qm. Meiner Tochter Britt  wurde am 31.03.1972 geboren.   August 72 lernte ich meinen zukünftigen Mann kennen, den ich ein Jahr später heiratete. Im Sommer 73 hatte ich das erste mal Schwierigkeiten  mit  dem Jugendamt. Es war eine Meldung gekommen, das Britt alle 5 auf dem Po hatte. Mir war es nicht bekannt, da meine Tochter zu der Zeit in einem Kinderheim (als Wochenkrippe vom Krankenhaus) untergebracht war. Mein zukünftiger Mann hatte Britt damals hingebracht. Er hatte es beim JA auch zugegeben das ihm die Hand ausgerutscht ist. Die Auflage an ihn war, das er, als nicht Erziehungsberechtigter, das Kind nicht zuschlagen hätte.

Wir haben uns im Juli 1973 an die Regierung (Walter Ulbricht) wegen unseren Wohnverhältnissen gewandt, da wir wussten das ich schwanger war. Das Ergebnis: wir erhielten Dezember 73 eine 2 – Raum Wohnung. Nach genauem hinsehen stellten wir fest, dass die Wohnung bis zur Hälfte der Wände feucht war. Die Wohnung sollt von meinem Mann saniert werden.

Am 07. Februar 1974 wurde unser gemeinsamer Sohn Oliver geboren. Wir erhielten im März 1974 die Baugenehmigung für ein Fertigteilhaus. Womit wir auch im April 1974 angefangen haben. Die 2 – Raumwohnung war damit erledigt, denn gleichzeitig Wohnung und Bau ging nicht zu machen. Der Rohbau war ein Jahr später fertig. Die Räume mussten noch verfugt werden, aber waren soweit fertig. Wasser und Strom waren auch da. Heizung und Schornstein waren im Bau.

Wir lebten also noch mit 4 Personen in dem 1 Zimmer.

Am 10.07.1975 wurde unsere Tochter Silvie geboren.

Noch in der Klinik war das JA bei mir und verlangte, dass ich mit den Kindern in der 

1-Zimmerwohnung bleibe bis mein Ex das Haus fertig hat. Er hatte schon 2 Zimmer fertig und bestand deshalb darauf, dass ich mit in das Haus einziehe und hat alle Möbel, ohne mein Wissen, in das Haus gebracht. So bin ich dort mit eingezogen.

Anfang August musste ich mit Silvie nach Zeitz zum Arzt, (nur Bus oder Zug möglich). Es war Mittags 11.30 Uhr, Britt und Oliver im Bett und die Nachbarin sollte nach den Kindern sehen. Ich habe nicht gleich die nächste Verbindung zurück geschafft und war erst 15.30 Uhr wieder zu Hause. Wollte schon 13.30 Uhr zurück sein. Als ich ankam, standen unsere Dorfärztin und die Vertreterin vom JA vor der Tür. Sei dieser Zeit kam das JA öfter zur Kontrolle.

Mitte August kam das Zeitzer JA  und der amtierende Staatsanwalt zur Kontrolle. Der Staatsanwalt war der Meinung das man uns etwas unterstützen sollte, damit wir den Bau so schnell als möglich fertig bekommen und den großen Kinder ein Kindergartenplatz besorgt werden sollte.

Die Kindergartenplätze lagen fast 30 min auseinander und in Zeitz (also nicht in unserem Wohnort). Für mich allein schwer zu erledigen. Von meinem Ex war nicht viel zu erwarten weil Kinder, Haushalt und so weiter Frauensache ist. Er machte zu der Zeit auch noch seinen Facharbeiter als Schmelzer und hatte dadurch keine Zeit.

Anfang September 1975 kam das JA von Zeitz wieder in unser Haus und hatte eine staatliche Verfügung mit, welch sie berechtigte, alle 3 Kinder mitzunehmen. Ich war allein zu Hause und fühlte mich unheimlich hilflos.

Ich bin wöchentlich bei JA gewesen, um einen Besuch bei meinen Kindern zu erbetteln. Erhielt aber immer nur eine Vertröstung und man sagte mir die Kinder müssen erst zur Ruhe kommen.

Im Dezember wurden wir vom Gericht wegen Vernachlässigung verurteilt. Mein Ex zu 6 Monaten, da er beruflich so stark eingespannt war und ich zu 10 Monaten, da ich als Muter für die Kinder zuständig bin.

Am 03.01.1976 erfuhr ich von unserer Dorfärztin, dass wir die Kinder über Weihnachten aus dem Heim hätten holen können. Uns war aber nichts davon gesagt worden. Nach dem Arztbesuch musste ich noch zu unserer Gemeinde, um Müllmarken zu holen. Die Beauftragte vom JA war auch da und sagt mir ausversehen zu mir: „ Eure Kinder haben sehr gute Eltern gefunden und mit ihnen Weihnachten verbracht“. Sie war über ihre eigenen unüberlegten Worte erschrocken und hat sich auf den Mund gehauen.

Ich möchte aber noch erwähnen, dass ich den Hausbau und alles drum herum, wie Material besorgen und den Innenausbau auch mit erledigen musste, da ich ja zu Hause war.

Freunde und Bekannte gab es für mich nicht, da mein Ex sehr eifersüchtig war.

Wir hatten gegen das Urteil Berufung eingelegt und das nächste Urteil (Januar 1976) war dann das wir jeder zu 6 Monaten Haft verurteilt wurden.

Mein Ex hat die Strafe am 10.03.76 angetreten und ich sollte am 19.03 76 mich in der Haftanstalt melden. Bis dahin wurde aber wieder eine Schwangerschaft festgestellt und meine Strafe wurde bis Beendigung der Wochen aufgeschoben.

Anfang April 1976 hatten wir dann eine Verhandlung in welcher uns das Erziehungsrecht für unsere Kinder abgesprochen wurde. Vom JA wurde behauptet, dass sich an unseren Wohnverhältnissen nichts geändert hat und wir auch kein Interesse an den Kindern zeigen würden.

Alle Einsprüche von meiner Seite, wie zum Beispiel: die Versuche zur Besuchserlaubnis und das keine Besuche und Überprüfungen seitens des JA erfolgt wären und so ja gar nichts bewiesen wäre, dass sich nichts geändert hätte, wurden ignoriert.

Die Begründung für den Entzug war, dass wir die Kinder nicht im sozialistischen Sinn erziehen würden! 

Wir konnten uns nicht durchsetzen und mussten das Urteil hinnehmen.

Mein Ex war extra aus der Haft zu der Verhandlung gebracht wurden und auch danach wieder zurück. Beim verlassen des Gerichtsgebäude sprach mich die Frau Schwarz vom JA Zeitz an und meinte; „ Sie sind doch noch so jung und können sich noch mal so viele Kinder anschaffen.“

Einen Tag vor der Geburt unserer Tochter hatte mein Ex seine Strafe verbüßt.

Am 10.09.1976 wurde unsere Tochter Andrea geboren.

Ab Januar 1977 ging sie in die Wochenkrippe und ich trat am 11.01.77 meine Haft an. Nach 4 Wochen stellte man dort erneut eine Schwangerschaft fest. Mein Ex bestand auf einen Abbruch, damit ich auch meine Strafe absitze. Meine zuständige Erzieherin führte dann mit mir ein Gespräch und überzeugte mich mein Kind auszutragen. Sie sagte zu mir;“ schmeiß deinen Mann raus und lebe mit deinen Kindern allein, sonst sehen wir uns hier wieder.“

Sie hatte sich mit meiner Akte beschäftigt und war der Meinung dass einiges nicht stimmt. Am 15.03.77 wurde ich aus der Haft entlassen.

Am 04.04.76 wurde meine Strafe zur Bewährung auf 3 Jahre geändert.

Am 14.09.77 wurde unsere Tochter Sandra geboren.

Seit April 76 habe ich bis heute keinen Vertreter  vom JA mehr gesehen.

Januar 1981 wurde ich mich von meinem Mann geschieden. Bis Februar 1985 lebte ich mit den beiden Mädchen allein in dem Haus. Es hat keinen interessiert wie und ob wir klar kommen. Seit Juli 1985 bin ich wieder verheiratet und somit heißen ich und meine Töchter seit der Zeit  „Stolle“.

Am 24.12.1985 kam unsere Tochter Susanne zur Welt.

Ich bin dieses Jahr zum 4. Mal Oma geworden.

Ich möchte gerne wissen was aus meinen Kindern geworden ist und wie sie aufgewachsen sind, aber ich möchte ihnen nicht ihre Familien streitig machen.

Mit lieben Grüßen   Karin Stolle

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