Marcel Geißler, geb. am 29.01.1986 in Leipzig

21. August 2008 | Von | Kategorie: DDR-Adoption-Leipzig
Datum 19.08.2008
Chiffre: 200808-0021-ZK
E-Mail Chiffre

gesucht wird leiblicher Sohn: Marcel Geißler, geb. am 29.01.1986 in Leipzig

durch leibliche Mutter: Karin Benzel, geb. Kühn am 16.02.1966  in Leipzig

Kommentar:

Ich bekam meinen Sohn nach der Entbindung nicht mit nach Hause, weil mein damaliger Partner nicht arbeiten ging und wir auf dem Kicker waren. Er sollte mindestens 6 Wochen durchgehende Arbeit nachweisen. In dieser Zeit passierte bei uns ein Einbruch durch Russen. Nach dem Einbruch bei uns daheim wurde dann gesagt „um Gottes Willen, wenn die Kinder jetzt hier gewesen wären“.

Ich war zu diesem Zeitpunkt sehr traurig, weil ich meinen Sohn nicht bekommen habe und an dem Tag noch erfahren musste, dass mein Freund fremdgegangen ist. Aus diesem Grunde habe ich an diesem Tag etwas zuviel Alkohol getrunken und ausversehen die falsche Wäsche vom Dachboden abgenommen. Ich konnte dieses Missverständnis auch aufklären, dennoch bin ich wegen Diebstahl bezichtigt worden. Wegen einem Missverständnis wurde ich wegen Diebstahl verurteilt und kam in Haft. Selbst heute zähle ich noch zu den Menschen, die wenig bzw. gar nicht Alkohol trinken. Ich denke jeder Mensch kann so eine Aktion nachvollziehen.

Während meiner Zeit in der U-Haft habe ich sehr viel geweint und eines Tages trat man auf mich zu und meinte, dass eine Person zu mir will und vorher sollte ich zu dem behandelnden U-Haft-Arzt, um dort eine Beruhigungsspritze zu bekommen. Die gab man mir auch und ich war wie benebelt. Nach der Spritze wurde ich zu dieser Person gebracht, die in der U-Haft schon auf mich wartete. Ich wusste nicht wer dies war, da sie sich mir auch nicht vorstellte. Die Person sagte mir dann, dass mein Sohn während dieser Haftzeit zu einer Pflegefamilie sollte und dazu sollte ich ein Papier unterschreiben, wo ein anderes Blatt den Text verdeckte, so dass ich nur die Unterschriftszeile sehen konnte. Nach dem ich dies unterschrieben hatte und wieder auf meine Zelle gebracht wurde, sagte mir eine Wärterin „Sie wissen schon, dass die Person vom Jugendamt war?“ Nach der Haft von 1,5 Jahren wollte ich meinen Sohn wieder abholen und dort teilte man mir, dass ich gar keine Ansprüche bezüglich meines Sohnes mehr hätte. Ich vermute sehr stark, dass ich damals nicht die Zustimmung zu einer Pflegefamilie unterschrieben habe, sondern dass dies eine Adoptionsfreigabe mit unrechten Mitteln war.

Ich habe nichts bekommen, weder eine Geburtsurkunde, noch eine Bestätigung über einen Sorgerechtsentzug oder das mein Sohn adoptiert wurde.

Meine Erstgeborene war zu dieser Haftzeit knapp über 2 Jahre und sie kam zu meiner Mutter in eine Pflege. Sie sagte damals zu mir, dass sie an meiner Tochter all das wieder gut machen will, was sie bei mir versaut hätte. Erstaunlicher Weise stand meine Mutter, was ja eigentlich die Oma des Mädchen war, als Mutter in der Geburtsurkunde. Das meine Mutter mein eigenes Kind adoptieren sollte, war nie abgesprochen und auch darüber wurde ich nie informiert bzw. bekam die Schriftstücke darüber. Dies habe ich aber erst durch meine Scheidungspapiere gesehen. Mein Vater sagte zu mir, dass er mir helfen will, wenn ich Hilfe bräuchte, da er damals diese ganzen Intrigen mitbekommen hatte.

Bevor ich meinen 2. Sohn 1989 entbunden hatte, kam noch einmal das Jugendamt zu mir und wollte mir diesen auch wegnehmen, wegen einer nassen Wohnung. Sie setzten uns unter Druck und meinten, dass wir bis zur Geburt des 2. Jungen eine vernünftige Wohnung nachweisen müssten, ansonsten würden sie uns den Jungen auch wegnehmen. Aber jeder der DDR-Zeiten kennt weiß, dass es zu Ostzeiten schwer war eine geeignete Wohnung zu bekommen. Wir standen damals an der 300.sten Stelle der Wohnungsanmeldeliste und das hätten bis zur Geburt nie geschafft. Mein damaliger Partner sagte zu mir, dass wir unser Kind in Freiheit zur Welt bringen und er dort auch aufwachsen wird. Also beschlossen wir im Sommer 1989 über Prag zu flüchten, was wir auch taten.

Seit dem habe ich nie wieder etwas mit einem Jugendamt zu tun gehabt, die mir meine Kinder nehmen wollte.

Meine Mutter ging selbst Biberach Jugendamt und fragte dort die Angestellten nach, was es kosten würde, um meinen 2. Sohn zur Adoption zu bekommen. Aus dem Jugendamt wurde sie aber dann auch hinaus geschmissen.

Dieses JA wollte mir auch helfen, dass ich meine große Tochter wieder bekommen würde. Doch dies wollte ich nicht, da das Mädchen damals (mittlerweile fast 8 Jahre) nicht über die erfolgte Adoption informiert war und ich sie nicht aus ihrem bisher gewohnten Umfeld entreißen wollte. Ich wollte mein Kind nicht in eine psych. Krise bringen und dachte dabei an ihr Wohl. Damit hätte ich nur meiner Tochter geschadet und nicht meiner Mutter. Sie wuchs ja immer mit dem Glauben auf, dass ich ihre Schwester wäre und nicht ihre Mutter. Das konnte ich nicht über mein Herz bringen. Seit 1999 (nach dem Tod meiner Mutter) weiß meine Tochter, dass ich ihre Mutter bin. Doch leider wirft sie mir vieles vor und kann einiges nicht verstehen. Wie sollte ich ihr erklären, dass meine eigene Mutter immer wieder versuchte mir mein/e Kind/er zu entfremden.

Dieses Jugendamt in Biberach wollte mir auch bei der Suche nach meinem Sohn helfen. Erstaunlicher Weise existierten nur Unterlagen über meine Tochter, aber es waren keine Unterlagen über meinem Sohn in Leipzig vorhanden (laut Aussagen des o.g. JA)

All die Jahre versuche ich mit meinem Sohn in Kontakt zu kommen. Doch immer werde ich dort abgewiesen. Es heißt immer beim Jugendamt immer: „nur wenn er sucht, dann können Sie für mich etwas machen“.

Ich habe noch zusätzlich 4 Kinder, die alle von seiner Existenz wissen. Sie wollen ihren Bruder genauso gerne kennen lernen, wie ich.

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