Michael Greiner – Willibald geb. am 14.03.1983 in Rodewisch

27. September 2015 | Von | Kategorie: DDR-Zwangsadoption-K.-M.-Stadt (Chemnitz)

Datum: 27.09.2015
Chiffre: 201509-0061-PSD

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gesucht wird leiblicher Sohn: Michael Greiner – Willibald geb. am 14.03.1983 in Rodewisch

durch leibliche Mutter: Singora – Viola Greiner – Willibald

Kommentar:

Lieber Michael, wir suchen dich schon so lange. Du wurdest ein paar Wochen zu früh geboren. Im Krankenhaus durfte ich dich bis zu meiner Entlassung nach Hause noch stillen. Zu diesem Zeitpunkt hattest du bereits eine ältere Schwester, die genau auf den Tag ein Jahr älter war.

Zum Zeitpunkt deiner Geburt war Mandy vorübergehend in einem Säuglingsheim / Wochenkrippe untergebracht. Gleich nach der Krankenhausentlassung wollte ich Mandy abholen gehen. Du warst noch zu klein und musstest noch im Krankenhaus bleiben. Doch statt ich Mandy gleich ausgehändigt bekommen, musste ich zuerst in das Büro der Leiterin Frau R.. Ich hatte mich schon gewundert, was sie von mir wollte.

Sie legte mir einen Zettel vor mich hin und meinte, dass ich diesen unterschreiben müsste, ansonsten dürfte ich Mandy nicht mit nach Hause nehmen. Ich fragte sie, was das sei. Sie erklärte mir, dass es sich um eine Adoptionsfreigabe für dich handeln würde. Ich sagte ihr, dass ich dich gar nicht zur Adoption freigeben will. Doch sie zeigte mir sehr deutlich, dass, wenn ich nicht unterschreibe, beide Kinder verlieren würde.

Aus Angst, dass ich Mandy nun auch verlieren könnte, unterschrieb ich. Am nächsten Tag ging ich zum Krankenhaus, um dich zu besuchen. Dort kam ich gar nicht mehr ein. Bereits am Pförtner wurde mich gesagt, dass ich das Gelände der Klinik nicht betreten dürfte. Das war mir egal. Ich ging trotzdem rein und habe so richtig Krach gemacht. Zum Schluss wurde ich von der Polizei abgeführt.

Jedes Jahr, ob Geburtstag, Weihnachten oder zu anderen Familienfesten, du FEHLST. Ich habe dich nie vergessen.

Insgesamt hast du noch 3 Geschwister, die dich auch sehr gerne kennenlernen wollen und dich ebenso vermissen. Du bist auch schon Onkel geworden.

Auch wenn du nicht bei uns aufwachsen durftest, du warst und bist immer ein Teil unserer Familie gewesen. Alle anderen Kinder durfte ich großziehen. Warum du mir weggenommen wurdest, weiß ich bis heute nicht und ich werde es wohl nie verstehen können. Ich war eher die angepasste, im Gegensatz zu deinem leiblichen Vater, der den Mut hatte, sich gegen den Staat zu äußern.

Nach dem Mauerfall war ich bis voriges Jahr selbst Pflegemutter von vielen Schützlingen. Aus gesundheitlichen Gründen kann ich das nicht mehr machen.

Dieses Jahr war ich im Frühjahr in Rodewisch und ich habe u.a. die Frau R. aufgesucht. Heute ist sie über 80 Jahre alt. Sie hat nichts, absolut nicht begriffen und keinerlei Unrechtsempfinden. Gerne würde ich dir darüber berichten.

Ich habe so viele Fragen an dich, bitte melde dich. Ich vermisse dich.

Deine leibliche Mutter

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